Was ist eigentlich Multiprojektmanagement, Portfoliomanagement, Programmmanagement und ein Product Backlog?

Ich hab mal etwas gelesen, gesurft und die Essenz hier zusammengefaßt*:

Multiprojektmanagement

Definition: Multiprojektmanagement ist ein abstrakter Oberbegriff für das übergreifende Management (Planung, Steuerung und Kontrolle) mehrerer Projekte. Konkrete Beispiele hierfür sind Projektportfoliomanagement und Programmmanagement.

Projektportfoliomanagement

Definition: Projektportfoliomanagement ist die Gruppierung und gemeinsame übergeordnete Steuerung verschiedener Einzelprojekte, um auf Basis gegebener Rahmenbedingungen und begrenzter Ressourcen den insgesamt größen geschäftlichen Wert mit den Projekten zu erzielen.

Beschreibung: Zu den wesentlichen Aufgaben des Projektportfoliomanagements gehört es, die richtigen Projekte zu finden oder auszuwählen. Diese Projekte bilden dann das Projektportfolio. Dazu kann es gehören, bestimmte Einzelprojekte oder Projektkandidaten abzulehnen, zeitlich zu verschieben, auszusetzen oder abzubrechen, um kontraproduktive Effekte zu vermeiden, beispielsweise nicht sinnvoll auflösbare Abhängigkeiten oder Ressourcenkonflikte.

Die Einzelprojekte eines Projektportfolios müssen nicht notwendigerweise untereinander inhaltliche Bezüge oder Abhängigkeiten aufweisen. Ihre einzige notwendige Gemeinsamkeit besteht darin, direkt oder indirekt gegenseitig ihre Effektivität oder Effizienz zu beeinflussen.

Üblicherweise gehört zum Projektportfoliomanagement also eine Priorisierung aller Projekte und Projektkandidaten, um dann im Falle von wechselseitigen Einflüssen über sinnvolle Verschiebungen, Ablehnung, Aussetzung oder Abbruch von Einzeprojekten entscheiden zu können.

Programmmanagement

Definition: Programmmanagement ist die Definition, Initiierung und Steuerung verschiedener Einzelprojekte, die einem gemeinsamen strategischen Ziel dienen.

Beschreibung: Die Aufgabe kann zeitlich befristet sein und beispielsweise an den Lebenszyklus der verfolgten Strategie gekoppelt sein. Die Aufgabe kann ebenso auch dauerhaft sein und immer die jeweils aktuelle Strategie unterstützen.

Zu den Aufgaben des Programmmanagements gehört außerdem neben den in der Definition genannten Aspeketen auch die Beurteilung von beantragten Projekten, die Bewilligung, Zurückstellung oder Ablehnung von Projektanträgen, ein projektübergreifendes Informationswesen und Qualitätsmanagement, gemeinsames Projektmarketing und ggf. eine übergreifende Finanz- und Haushaltsplanung.

Die Einzelprojekte eines Programms müssen nicht notwendigerweise untereinander inhaltliche Bezüge oder Abhängigkeiten aufweisen. Ihre einzige notwendige Gemeinsamkeit besteht darin, für dasselbe strategische Ziel relevant zu sein.

Der Begriff Programmmanagement ist in der Literatur noch uneinheitlich definiert.

Product Backlog vs. Multiprojektmanagement

Projektportfoliomanagement und Programmmanagement sind zwei konkrete Ausprägungen des Multiprojektmanagements, denen gemeinsam ist, dass die von ihnen gesteuerten Einzelprojekte keinen inhaltlichen Bezug zueinander haben müssen.

Ein Product Backlog (PBL) hingegen bezieht sich stets auf genau ein zu entwickelndes Produkt, d.h. seine Elemente haben einen eindeutigen inhaltichen Bezug zueinander. Mit dem Product Backlog werden diese Einzelelemente gesteuert (bspw. priorisiert).

Allenfalls wenn sehr große Produktentwicklungsvorhaben in mehrere, tendenziell unabhängige Einzelprojekte zerlegt werden, die jeweils ein eigenes PBL besitzen, liegt ein Multiprojektmanagement vor. Möglicherweise wird dann auch auf der Ebene des Multiprojektmanagements wiederum ein PBL verwendet, das entweder die Aggregation der Einzel-PBL oder eine Abstraktion der Einzel-PBL (bspw. nur Epen oder grobgranulare Produktfeatures) darstellt.

*Wo hab ich gelesen und gesurft: Die jeweiligen Begriffe in de.wikipedia.org, pm-blog.com, competence-site.de, diversen eigenen Publikationen und dem PMBoK-Guide.
Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Hi Bernd

    Danke für die gute Zusammenstellung. Werde dies gerne in meine Diplomarbeit übernehmen und deinen Blog als Quelle selbstverständlich angeben :-)

    Gruss aus der Schweiz

  2. Bernd,

    lass Dich von Mojo – wer auch immer das sein mag, nicht ins Bockshorn jagen.

    Diese Definitionen haben keine spezifische Quelle, sondern sind im Alltag von Projektmanagement resp. Multiprojektmanagement betreibenden Organisationen und Personen als gültig akzeptiert worden.

    Sowohl das PMI (Project Management Institute) wie auch die APM (Association for Project Management, UK) und weitere Berufs- und Fachverbände haben dazu Definitionen, Normen und teilweise sogar Zertifizierungen herausgebracht, die Deine Definition perfekt unterstützen.

    Lass Dich nicht von Internettrollen frustrieren.

    Vielleicht hat Mojo das ja auch ironisch gemeint. Ich habe jedenfalls herzlich gelacht. :(

  3. Hab ich ja gleich als ersten Satz geschrieben: „Ich hab mal etwas gelesen, gesurft und die Essenz hier zusammengefaßt“. Es handelt sich also um ein Mashup. Im übrigen finden sich die Definitionen in ganz ähnlicher Weise an verschiedensten Stellen, so dass ich es teilweise gar nicht einfach finde, eindeutige Urheber zu finden und benennen. Vielleicht habe ich es mir damit zu einfach gemacht. Belastbare Hinweise auf eindeutige Urheberschaften nehme ich gerne an und füge sie hier an.

    Bernd Oestereich

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