Interview: Was macht oose?

Im Rahmen eines Interviews für unseren Kompetenznavigator für das 2. Halbjahr 2011, den wir in den kommenden Wochen in einigen Fachmagazinen beilegen lassen, sprechen drei Vertreter von oose über Vielfalt, Kompetenz, Leidenschaft und wie das alles zusammen passt. Den Text geben wir hier vorab schon einmal wieder.

Sind die Themen UML, Analyse und Design, mit denen oose Ende der 1990er Jahre bekannt geworden ist, mittlerweile vom Thema Agilität abgelöst worden?

Christian Weiss: Nicht wirklich, vielen ist nur weniger bekannt, dass wir Agilität schon fast genauso lange auf der Agenda haben. Seinerzeit haben wir und andere von iterativem Projektmanagement oder Extreme Programming gesprochen und heute heißen die Schlagwörter Agilität, Lean und Scrum. Geändert hat sich vor allem die Aufmerksamkeit des Marktes für diese Themen. Scrum ist eben erst seit 4 – 5 Jahren breiter bekannt, und insofern haben wir in jüngerer Zeit viel mehr Aufträge hierzu, unsere Erfahrungen mit Agilität, reichen aber mehr als 10 Jahre zurück. Was aber für uns schon immer wesentlich war, ein Thema wie Agilität nicht losgelöst zu sehen, sondern es auch mit mit den vielen anderen bereichernden Aspekten aus PMI und IPMA zu verbinden, z.B. Schätzverfahren, Risikomanagement, Vertragsmanagement etc.

oose hat aber auch viele andere Themen im Angebot, bspw. Testen, Softwarearchitektur, Requirements, Geschäftsprozesse und Systems-Engineering, wie passt das alles zusammen?

Christian Weiss: Das passt insofern sehr gut, als dass wir unseren Mehrwert darin sehen, dass wir Themen miteinander verbinden. Agilität und Requirements lassen sich bspw. getrennt voneinander betrachten, tatsächlich aber ergeben sich sehr interessante Fragestellungen gerade in der Kombination aus beidem, denen wir methodisch nachgehen. Also: was macht bspw. ein Requirements-Engineer in einem agilen Umfeld? Ist der überhaupt noch notwendig? Oder: brauchen wir überhaupt noch Projektleiter?

Das im Verhältnis zu eurer Firmengröße von knapp über 30 MitarbeiterInnen recht große Themenspektrum überrascht, zumal die vielen Buchpublikationen, Artikel, Konferenzauftritte u.Ä. ja auch auf eine gewisse Substanz hindeuten – wie macht ihr das eigentlich?

Christian Weiss: Hm, das ist immer schwer zu beantworten, wenn man selbst Teil des Systems ist und gar nicht darauf guckt, wie man das eigentlich macht. Ich glaube, wir haben einfach ganz viele Mitarbeiter, die ganz großen Spaß daran haben, zu publizieren. Wir entwickeln ja auch Themen ständig weiter. Daraus werden dann erst Vorträge, dann Blogbeiträge, Artikel, Trainingseinheiten und oft ist dann schon viel Material zusammen, das man für ein Buch braucht. Wir geben Mitarbeitern auch Freiräume, solche Dinge zu tun.

Markus Wittwer: Ganz ehrlich – wir lernen natürlich auch viel beim Kunden. In den Systemen bei Kunden passieren die wirklichen Veränderungen und wir bemühen uns dann mit Mitteln der Supervision, Reflektion und mit kollegialem Austausch auch für uns etwas herauszuziehen, um dieses Erfahrungswissen dann abstrahiert auch wieder an andere Kunden weitergeben zu können. Darüber hinaus sind wir in viele Expertennetzwerke eingebunden, so dass wir uns mit anderen Experten austauschen können.

Gilt das auch für eure Mitarbeit in internationalen Stanardisierungs- und Zertifizierungsprogrammen?

Christian Weiss: Zum einen möchten wir gerne am Puls der Zeit sein und in solchen Arbeitskreisen finden heute Diskussionen statt, die ein oder zwei Jahre später bei unseren Kunden aktuell werden. Zum anderen sind Zertifizierungen natürlich auch wichtig für den Arbeitsmarkt – darin liegt aber nicht unser Herzblut. Unsere Leidenschaft liegt darin, unsere Kunden zu befähigen, neue Wege zu gehen, sie zu begeistern für neue Themen und Vorgehensweisen und dass sie diese dann selbst können – und nicht nur einfach Wissen zu erwerben.

Ist es nicht ein Widerspruch in sich, in so vielen Themen Experte sein zu wollen?

Markus Wittwer: Für die Einzelperson sicherlich ja. Unser Fokus ist ja auch eher, Themen zu verbinden, wie Christian Weiss das eben bereits sagte. Das bedeutet bspw. wenn ich als Scrum Master eingesetzt bin, dass ich natürlich auch Wissen in Projektmanagement mitbringen muss, aber natürlich auch in Soft Skills oder auch mal darüber, wie man Anforderungen geschickt aufnimmt. Diesen Gesamtüberblick möchte ich haben, das ist auch mein persönlicher Anspruch. Und immer dann, wenn es mehr in die Tiefe gehen soll, bspw. ist RE nicht mein tiefstes Fachgebiet, dann weiß ich, dass ich Kollegen habe, auf die ich zugreifen kann.

Angelika Sonntag: Im Wesentlichen arbeiten wir aus Qualitätsgründen ja mit festangestellten Mitarbeitern. Die wenigen Freiberufler mit denen wir zusammenarbeiten sind ebenfalls für Ihre Exzellenz bekannt, wie viele unserer Mitarbeiter auch publizistisch tätig und ergänzen unser Angebot punktgenau. Im Java- High-End-Bereich bspw. Adam Bien oder Angelika Langer.

Ansonsten ist die inhaltliche Vielfalt sicherlich auch eine Folge unseres Anspruches, nicht mittels Bodyleasing die Arbeit des Kunden zu machen, sondern ihn dazu zu bringen, durch neue eigene Kompetenzen selbst besser zu werden. Dadurch haben wir zwar eher kleinere, punktuelle aber eben auch mehr und vielfältigere Einsätze bei Kunden.

Habt ihr irgendwelche besonderen Prinzipien nach denen ihr arbeitet?

Markus Wittwer: Ja, was oose wirklich ausmacht, dass wir einen Leitsatz haben, wir wollen den wahren Bedarf des Kunden erkennen. Was in Auftragsklärungen heißt, die Sitaution auch mal kritisch zu hinterfragen und dann Dinge auch manchmal nicht anzubieten, einen Auftrag mal nicht anzunehmen, obwohl wir es könnten. Einfach, weil wir glauben, dass es für die Kundenorganisation gerade nicht sinnvoll ist. Etwas anderes, das ich besonders finde, ist, dass wir auch mal Kontroversen und Kritisches im Umgang mit uns selbst oder dem Marktgeschehen nach Außen tragen.

Wir wollen nicht jedem Hype blindlings folgen, sondern kritisch bleiben. Ein Beispiel ist unsere Haltung zu Zertifizierungen, etwa zum Certified Scrum Master, die wir zwar einerseits anbieten und versuchen, durch Zusatzangebote den Menschen etwas Sinnvolles mitzugeben, zu der wir gleichzeitig aber sagen, dass die Zertifizierung an sich wenig sinnvoll ist.

Angelika Sonntag: Wir sind hersteller- und anbieterneutral, d.h. nicht einseitig auf bestimmte Werkzeuge, Schulen oder Verfahren festgelegt. So arbeiten wir im Projektmanagement mit PMI ebenso wie mit der GPM/IPMA zusammen und bei Scrum sind wir ebenfalls nicht einseitig einer der konkurrierenden Organisationen verpflichtet. Uns leitet der individuelle Nutzen unserer Kunden und die für ihn beste Lösung. Da kann sich ein Kunde bei uns sicher sein.

Vielen Dank für das Gespräch

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