Machen Sie ganz normal Ihre Arbeit. Seien Sie OrganisationsentwicklerIn.

Das traditionelle tayloristische Modell dominiert unsere Wirtschaft nicht mehr so wie zu Zeiten von Frederik Taylor und Henry Ford. Und die meisten Leser dieses Blogs sind vermutlich Wissensarbeiter und haben daher auch eine andere Arbeitsrealität als die ausgebeuteten ArbeiterInnen bei Amazon & Co. oder (zumindest bis vor Kurzem) das Filialgesinde bei Schlecker. Dennoch wirken auch in Wissensarbeits- und Service-Unternehmen immer noch tayloristische Denkmodelle in dem Sinne, dass MitarbeiterInnen sich an gegebene Prozesse anzupassen haben.

Im tayloristischen Modell und also auch noch im Sachbearbeitungsbetrieb unserer Zeit sind Mitarbeiter entweder aus den Prozessen heraus zu halten und durch Maschinen zu ersetzen oder sie haben sich regel- und anweisungsbasiert in definierte Prozessschritte einzufügen. Die Prozesse stehen fest, die Mitarbeitenden haben sich darin einzufügen. Oben wird gedacht, unten geschafft.

Taylor sei Dank, aber Prozessverbesserung alleine reicht nicht mehr

So billig es ist, den Taylorismus zu verteufeln, so nachdrücklich ist jedoch anzuerkennen, dass er die Produktivität in der Produktion um Faktor Hundert in gerade mal zwei Generationen gesteigert hat und wir ihm wesentlich unseren exorbitanten Lebensstandard verdanken. Die Optimierung der Prozesse bleibt ein Thema.

In der Wirtschaft von heute stellen wir jedoch zunehmend MitarbeiterInnen ein, damit sie kreativ und eigenverantwortlich agieren. Sie werden nicht mehr mit der Absicht eingestellt, sie in ein System einzufügen, sie anzupassen oder anzulernen, sondern umgekehrt, damit sie auch die Prozesse und das Unternehmen anpassen und weiter entwickeln, also unternehmerisch denken und handeln.

Würden Sie sich als Organisationsentwickler bezeichnen? Oder einen Softwareentwickler als Führungskraft? Wenn das modische Geschwätz vom eigenverantwortlichen Arbeiten und unternehmerischen Denken und Handeln, das heute quasi alle Arbeitnehmer leisten sollen, mal beherzt und zielstrebig weiter gedacht würde, dann wären solche Fragen mit Ja zu beantworten.

Im Unternehmen arbeiten oder auch am Unternehmen?

Das ist eine radikale Umkehr, ein Wechsel von Subjekt und Objekt. Das neue Mantra lautet: Nur die Unternehmen überleben, welche sich schnell und flexibel anpassen und weiter entwickeln. Und wie gelingt dies? Genau, in dem die Mitarbeiter auch am Unternehmen arbeiten und nicht nur im Unternehmen.

Damit werden alle Mitarbeiter zu prinzipiellen Führungskräften und Organisationsentwicklern.

Das ist ein völlig neues Denkmodell. Bisher arbeiteten wenige Hierarchen am und viele im System, nun arbeiten irgendwie alle am und im System.

Das tayloristische Unternehmen sucht MitarbeiterInnen und Maschinen, die sich darin einfügen.

Das post-tayloristische Unternehmen ist ein Rahmen, in dem MitarbeiterInnen miteinander das Unternehmen gestalten und sich und Maschinen darin einfügen.

Kollegiale Führung statt Hilfs-Managertum

Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zum üblichen Management, zur klassischen Führungskraft: die kommt der Aufgabe zu Führen meistens als Hauptaufgabe nach, so wie ein Softwareentwickler das Programmieren als Kerntätigkeit sieht. Wenn jetzt alle Nicht-Manager auch Führungsarbeit leisten und auch am System beginnen zu arbeiten, dann werde diese Menschen das anders gestalten als bisher die Manager – alleine schon deshalb, weil ihre Kernaufgabe, ihre primäre Disziplin nicht Führung heißt. Es ist also überhaupt nicht damit getan, jetzt alle MitarbeiterInnen auf klassische Leadership-Seminare zu schicken und sie zu Hilfs-Führungskräften auszubilden. Sie werden auf andere Weise führen.

Wie lässt sich Führung organisieren, wenn Sie nicht mehr von Einzelpersonen (Führungskräften) ausgeht, sondern Führung integraler Bestandteil der Arbeit eines jeden Mitarbeiters sein soll, sich Führung also kollegial geteilt wird? Das ist die zentrale Frage unseres Workshops Kollegiale Führung und Selbstorganisationsmanagement.

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